Österreich ist offensichtlich ein Land, in dem die Bewahrer die Oberhand haben. Sowie jemand kommt und zu was auch immer einen neuen Vorschlag hat, setzen sofort die Bewahrer des "guten alten" alle Bremsmechanismen ein, bis sie zumeist das erreichen, was sie offensichtlich wollen, einen Stillstand.
Ich bin nicht der schlichten Meinung, dass alles Neue auch automatisch gut sein muss und dass alles Alte um jeden Preis erneuert gehört.
Ich bin aber der Meinung, dass man einen neuen Vorschlag erst einmal fair, aufrichtig,  neutral und anständig diskutieren sollte. Bei uns aber setzen die Abwehrmechanismen sofort und schlagartig ein, sowie der Vorschlag auf dem Tisch liegt. Drei Gegnerschafts-Modelle sind in Österreich die Häufigsten: Rot gegen Schwarz / Schwarz gegen Rot / Opposition gegen Regierung. Ein bissel spielen auch noch die Länder mit, vor allem dann, wenn es um Geld geht.
Letztes Beispiel: Die Zentralmatura. Mag sie nun unvollkommen sein, mag sie nun Nachbesserungen vertragen, klar ist dennoch: Die Ablehnungsfront hat durch Verzögerungen in der "Vorbereitung" das Ding verhindert. Ob nur vorläufig oder ganz, bleibt abzuwarten.
Dieses "Vor – Zurück – Stillstand" ist das Hauptsignum der Politik auf allen Gebieten, wie sie derzeit in Österreich gemacht wird.
Ich bin auch kein Anhänger der derzeit so propagierten "direkten Demokratie um jeden Preis", aber bei manchen Fragen (wie z.B bei der Zentralmatura oder auch bei der Um- oder Absiedlung des ORF) würde mich die Meinung des Volkes schon interessieren.
Ein paar Versuche mit "direkter Demokratie" wären auch für unsere Volksvertreter und die "Experten" (=Schimpfwort für mich) möglicherweise heilsam, weil sie dann nämlich erführen, ob und wie weit sie eigentlich am Volk vorbei regieren.
Nebenbei: Warum "Experte" für mich bereits zum Schimpfwort geworden ist? Weil sich jede Gruppe und jede Partei auf "Experten" beruft, von denen jeder genau das sagt, was der (zahlende) Auftraggeber hören will.
Bei Wikipedia steht zu lesen: "Es gibt keine Erlaubnisprüfungen, die zum Führen eines Titels "Experte" befähigen. Im Gegensatz zum "Sachverständigen" kann eine objektive Qualität der so bezeichneten oder selbst ernannten Experten aus der Bezeichnung nicht abgeleitet werden."
Österreich scheint aber in der Geiselhaft von "Experten" zu sein, die Angst vor dem Neuen haben, weil es dazu Visionen braucht. Ein namhafter österreichischer Politiker hat einmal gesagt: "Wer Visionen hat, soll zum Psychiater gehen".
Visionen als Krankheit?
Dann wundert es mich freilich nicht, unser Problem mit dem Neuen.
 

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