Das gute alte Funkhaus in der Wiener Argentinierstraße ist als ORF-Radio-Sitz in Frage gestellt.
Naturgemäß wehren sich sofort Leute. Das ist naturgegeben. Und möglicherweise auch berechtigt, denn leider ist das, was uns derzeit als neu verkauft wird, nicht immer auch besser. Auch wenn ich, das möchte ich ausdrücklich betonen, lieber auf der Seite des Neuen stehe.
Nur:
Wer will denn das "Funkhaus retten"?
Die dort arbeitenden Mitarbeiter.
Ich habe selber lang genug im ORF gearbeitet (über 30 Jahre) und musste mich langsam daran gewöhnen, dass es in erster Linie nur einem gut gehen muss: Dem Hörer. Dem Konsumenten der Ware, die ich erzeuge. Für den Konsumenten ist es nämlich piepegal, wo die gute oder schlechte Sendung produziert wird. An ihrer Qualität ändert der Produktionsstandort (gerade beim Radio) gar nichts.
Bleibt also die Frage: Für wen soll man das "Funkhaus retten"?
Außerdem heißt das Funkhaus sowieso schon die längste Zeit "Radiokulturhaus".
Das Funkhaus ist längst denkmalgeschützt. Der wunderbare "große Sendesaal" bleibt also erhalten. Mit dem verbinde ich einige Erinnerungen, weil ich fast alle Fernsehsendungen "Made in Austria" dort gemacht habe.
Der Einwand einer (ehemaligen) ORF-Radio-Journalistin lautet: "Das Funkhaus gibt Identität".
Es sei einem ehemaligen Mitarbeiter gestattet, festzustellen, dass mir das wurscht ist.
Solange das Programm Ö1 so gut bleibt, wie es ist, kann es meinetwegen aus der Müllverbrennungsanlage kommen.
Noch etwas:
Die Verantwortlichen, die das Funkhaus (teilweise) aufgeben wollen, haben sich sicher auch was gedacht, sie haben vielleicht auch gerechnet. Hoffentlich haben sie dabei auch an das Programm gedacht, das ist nämlich, liebe Leute, nach wie vor das Wichtigste!
 

9 Antworten to “Rettet das Funkhaus (?)”

  1. Elke Jurasszovich sagt:

    Als treue Ö1-Hörerin verfolge ich aufmerksam die laufende Debatte um die Unruhe rund um das Funkhaus. Mir ist keinesfalls egal, wie es den Produzenten meiner Lieblingssendungen geht. Es ist mir als bewusstem Menschen ja auch nicht egal, woher die Bananen kommen, die ich esse, wie und wo die Baumwolle meines T-Shirts angebaut wird, etc. Es liegt auf der Hand, dass verschlechterte Arbeitsbedingungen sich auf die Qualität des Programmes auswirken. Und ich würde in diesem Fall (was ich nicht hoffe) bestimmt die Ursache nicht bei den RedakteurInnen suchen.
    Obwohl ich über kein Insiderwissen verfüge, mache ich mir keine Illusionen darüber, was eine „Standortverlegung“ beabsichtigt. Es geht, wie überall, in Zeiten der Krise um Einsparungen. Den Banken werden für ihre abenteuerlichen Fehlspekulationen Milliarden an Steuergeldern nachgeworfen. Und der Kultur-, Bildungs- und Sozialbereich bekommt diese Umverteilung von unten nach oben kräftig zu spüren, weil die Politik bei diesem Spiel längst mitmacht und nicht mehr die Interessen derjenigen vertritt, von denen sie gewählt wurden. Ich vermute nicht, dass die „Funkhausretter“ à proiri gegen Neuerungen eingestellt sind. Aber ich vertraue ihren berechtigten Zweifeln an der Sinnhaftigkeit der Standortverlegung:
    Und zuletzt: Österreich ist für mich nur mit (und wegen) Ö1 zu ertragen. Danke euch allen für dieses hervorragende Programm! Es sollte so bleiben.

  2. Lieber Herr Tolar,
    Es ist mir wichtig, anzumerken, dass es für die Qualität von Produkten NICHT egal ist, wie es den Produzenten geht und unter welchen Bedingungen sie arbeiten. Das betrifft auch die Räume, in denen produziert wird und die Art deren Verkehrsanbindung.   
    Im Übrigen unterstütze ich die personellen und sachlichen Argumente für die Beibehaltung des Funkhaus-Standorts, die von Fabio Polly schon erwähnt wurden. Und dass die Programmqualität durch „Synergien“ – sprich weiteren Personalabbau – in der Neubauvariante „aus Kostengründen“ reduziert werden wird, ist absehbar. Sind doch die Kosten politisch gewünschter Bauvorhaben der letzten Jahre schon gewohnheitsmäßig aus dem Ruder gelaufen. Diese Qualitätsreduktion, die ja im Fernsehen seit Jahren in dramatischem Ausmaß im Gange ist, führt dann zu jenem allgemeinen Niveauverlust, den Sie in Ihrem Beitrag „Schattenseiten der direkten Demokratie“ mit Recht anprangern.

    • Administrator sagt:

      Liebe Frau Köcher, so Leid es mir tut, aber Sie dürften ja Recht haben. Es ist in unserer (auch politischen) Situation leider so, dass höchstes Misstrauen geboten ist. Das ganze sieht aus wie ein Kotau vor der Wiener SPÖ, die offensichtlich mit ihrem St. Marx – Projekt nicht weiter kommt und Wrabetz jetzt gleichsam aufgefordert ist, seinen Dank abzustatten.

  3. Die Behauptung, (nur) die dort arbeitenden Mitarbeiter wollten das Funkhaus retten, ist leider eine grundfalsche Prämisse. Wenn diese verblödsinnigenden Glaubenssendungen vom Wort zum Sonntag bis zu den Frömmeleine urbi et orbi mitsamt Oster-, Pfingst- u.ä-Liturgien statt aus Funkhaus oder Müllverbrennungsanlage  i n  die letztere gesendet werden, will ich kein Wort dagegen verlieren; auch nicht gegen solche Sendungen, die statt frommer Lügen einfach vergleichendes Wissen über religiöse Vorstellungen aller Art verbreiten.
    Wenn die gegenwärtige Administration mitteilen würde, woran es im alten Funkhaus hapert, könnte man darüber qualifiziert zu diskutieren beginnen. Wenn einer wie Sie, der bestimmt nicht vom Hörensagen seine Urteile fasst, nix Besseres für eine Absiedelung vorzubringen weiß, als dass die Verantwortlichen sich sicher was dabei gedacht und vielleicht sogar gerechnet hätten – dann tut´s mir leid, nicht anders zu können, als: die Unschuldsvermutung zu äußern, dass vielleicht an den Kosten für den neuen Standort irgendwelche Spezis mitschneiden könnten. Auch sowas könnten ja welche von den Verantwortlichen sich "gedacht" und "gerechnet" haben. An einer grundsätzlichen Vermutung, dass Geschäftsführungsobrigkeiten allemal und so auch diesfalls bona fide handeln möchten, will ich aus dem guten Grund anderslautender Erfahrung mit neuen Standorten in Österreich keinesfalls Mitschuld tragen.
    Schöne Grüße, Gerhard Oberschlick

    • Administrator sagt:

      Herr Oberschlick, Ihre Ausschüttungen über Religionssendungen kommentiere ich nicht, die disqualifizieren sich selbst. Dass mit "Standortänderung" gleichzeitig "Synergie" als Argumente verkauft werden, deutet darauf hin, dass es um Personaleinsparungen geht. Sollten Sie mit den mitschneidenden Spezis unter anderen mich gemeint haben, trete ich Ihnen gerne 50% davon ab. Im Übrigen halte sich sehr viel von sachlichen Diskussionen…

  4. Fabio Polly sagt:

    Ja, es ist egal, woher das gute Programm von Ö1 kommt. Nur: wird übersiedelt, dann wird das Programm nicht so gut bleiben. Das hat mit vielen Details zu tun. Eines der wichtigsten: die Zahl der Mitarbeiter. Wird "das Radio" übersiedelt, wird es weniger Mitarbeiter geben (fürchte ich), und dann wird das Progamm schlechter. Ganz zu schweigen davon, dass das ausserordentlich gute und erfolgreiche Radio-Symphonie-Orchester dann in Frage gestellt wird. Daher ist es (auch für den geneigten Hörer Tolar) NICHT egal, ob das Funkhaus als Radiostandort aufgegeben wird. Denn das Progamm ist das Wichtigste!

    • Administrator sagt:

      Lieber Herr Polly! Ich teile Ihre Bedenken voll und ganz.
      Meines Wissens ist aber, im Falle der Aufgabe des Funkhauses, geplant, den so genannten großen Sendesaal weiter anzumieten und als Heimat des RSO zu behalten. Eine Reduktion der Mitarbeiter wird vermutlich "in Zeiten wie diesen" sowieso mehr oder minder schleichend kommen. Ich glaube halt nicht, dass die Koppelung zwischen Programmqualität und Erzeugungsort wirklich als einziger Grund herhalten kann, gegen eine Aufgabe des Funkhauses zu sein. Weniger Mitarbeiter muss auch nicht zwangsläufig bedeuten, dass das Programm schlechter wird.
      Ich würde aber einsehen, wenn man mit einem gewissen Sentiment an diesem von Radiogeschichte(n) so prall vollen Haus hängt, zumal das Haus ja voll funktioniert.
      Die "Bedingungen", die ich an eine Aufgabe des Funkhauses stelle, sind: Das RSO  muss erhalten bleiben und das Programm darf nicht schlechter werden.
      Alles andere ist undiskutabel.
      Ich möchte aber auch anmerken, dass nicht jede Veränderung automatisch auch eine Verschlechterung bedeutet. Mit alten Gewohnheiten zu brechen kann manchmal sehr beflügelnd sein. Ich habe in meiner Zeit im ORF auch eine gewaltige Übersiedlung erlebt – sie hat uns und dem Programm nur gutgetan, trotz düsterster Prognosen, an die ich mich noch sehr gut erinnern kann.
      Aber noch einmal: Wenn Ihre Bedenken stimmen, dann bin ich voll auf Ihrer Seite.
       

      • Fabio Polly sagt:

        Lieber Herr Tolar!
        Leider mehren sich die Zeichen, daß meine/unsere Bedenken stimmen! Sie haben natürlich recht: Veränderung ist nicht automatisch etwas schlechtes und muss nicht automatisch Verschlechterungen mit sich bringen. Wir sind aber personell am unteren Rand aller Kapazitäten angekommen – das sage nicht nur ich, das sagen auch viele unserer Vorgesetzten bis hin zum Radiodirektor. Wenn eine Konzentration auch damit verknüpft wird (wie das ja in Zeitungsinterviews zu lesen war), daß wir weiteres Personal einsparen, dann kann das nur die Programmqualität leiden lassen. Was das RSO anlangt, muss man folgendes festhalten: Auch das RSO steht unter dauerndem Spardruck. Woher soll das Geld kommen, um den Sendesaal (der ja durchaus begehrt ist) anzumieten – vor allem auch für Proben? Wie lange wird sich das RSO bzw. der ORF eine solche, immer wieder erhöhte Miete leisten können/wollen??? Es gibt in Europa Beispiele dafür, das Radio-Orchester auf genau diese Weise "unter die Räder" gekommen sind.
        Für beides: Programm und RSO ist übrigens der Standort (in Stadtnähe) wichtig. Nur zwei Beispiele zur Illustration. RSO probt am Nachmittag und spielt am Abend ein Konzert – da ist es wichtig, etwa die Musikinstrumente (die nur mit einer Spedition befördert werden können) RASCH an den Aufführungsort zu bringen. Das geht sich derzeit in so manchen Fällen knapp aber doch aus, eben WEIL das Funkhaus stadtnahe ist. Gleiches gilt in vielen Fällen auch für aktuelle journalistische Geschichten, etwa im Mittagsjournal, nur halt in umgekehrter Richtung. Schnell wieder im Funkhaus zu sein sichert, daß die story auf Sendung geht.
        Um es einmal so zu sagen: es ist nicht Bestemm, daß wir (die Radiomenschen incl. RSO) im Funkhaus bleiben wollen. Wir haben jede Menge guter Gründe, und uns liegt vor allem die Qualität des Senders (als dessen Teil sich auch das RSO versteht) am Herzen. Wegen unserer Hörer. Weil wir den erfolgreichsten europäischen Kultursender weiter am Leben erhalten wollen. Weil das für uns demokratiepolitisch wichtig ist.
        Deshalb hoffen wir auch auf Ihre Unterstützung!

        • Administrator sagt:

          Lieber Herr Polly!
          Sie haben leider ziemlich wahrscheinlich Recht. Bei der Führungsschwäche der derzeitigen Generaldirektion einerseits, und der Qualifikation, die diese Herrschaften auszeichnet, andrerseits ist zu befürchten, dass sie den ORF verwalten wie eine Schraubenfabrik und die Qualität einzig durch eine gute Zahl unter dem Strich definiert wird.
          Meine Unterstützung, das Funkhaus beizubehalten, haben Sie und Ihre Mitstreiter sowieso. Aber nicht nur, weil ich das Funkhaus so liebe, sondern weil ich der derzeitigen ORF-Führung jede Gemeinheit zutraue. Denn die Qualität des ORF-Radios und des RSO basiert sicherlich nicht darauf, dass die da oben so gut sind.
          Also noch einmal: Ich bin voll auf Ihrer Seite.

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